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Aus Sicht der Kinder...

Wozu gehen unsere Kinder in die Schule? Um
* ihre persönlichen Stärken zu entdecken und darauf aufbauend ihr Lebensziel zu entwickeln,
* wichtiges Grundwissen zu erwerben (Lesen, Schreiben, Rechnen, fachliche Grundlagen),
* das Lernen "zu lernen" (effektive Wissensaufnahme)
* logisches, kritisches, eigenständiges Denken trainieren (gefährlich für alle "Systeme", deren Ziel die "Formung" ist, andererseits aber für eine erfolgreiche Wirtschaft unabdingbar - dieser Widerspruch trug zum Untergang der DDR bei!),
* soziale Kompetenzen und Fähigkeiten zu erwerben (Entwicklung des "Wir"-Gefühls, gemeinsame Werte, moralische Grenzen, Erfahrung der Unterschiedlichkeit von Menschen, Bekämpfung von Egoismus und der Gier),
* Beschäftigung mit der "Arbeitswelt" der Erwachsenen (Praktika, Girls-Day usw.) zum Aufbau eines Zieles für die eigene Zukunft,
* Frustrationstoleranz entwickeln und trainieren ("Pflicht vor Vergnügen"),
* Fähigkeiten trainieren, die im Berufsleben benötigt werden,
* die persönliche Kreativität entwickeln,
* musische Begabungen entwickeln.

Alle dies alles sollte möglich sein ohne Rücksicht auf die soziale Herkunft und den Status der Eltern.

Ein umfassender Erfolg unseres Bildungswesens wird sich wohl nur einstellen, wenn Eltern, Schule und die Schulklassen-Gemeinschaft sich ergänzen. Ich denke sogar - sie müssen zusammenarbeiten, in dieselbe Richtung, gegebenenfalls auch "gegen" den einzelnen Jugendlichen. Lernen ist anstrengend – ohne sanften Zwang von außen und einer gehörigen Portion Selbstmotivation, die erlernt und trainiert werden muss, wird in der Regel der Erwerb von Bildung schwierig. Das heißt aber nicht, dass Lernen nicht auch Spaß machen kann - aber es muss stattfinden, zur Not auch mit "sanftem" Zwang!

Ich habe schon junge Leute bei der Bewerbung auf eine Lehrstelle gesehen, die allen Ernstes geäußert haben, sie können nicht garantieren, jeden Tag halb acht Uhr da zu sein - weil ihnen das Aufstehen oft so schwer fällt. Diesen jungen Leuten fehlt die erlernte und eingeübte Selbstdisziplin, so haben sie auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen.

Der Erfolg der Schule beruht auf der von den Eltern zugestandenen Autorität der LehrerInnen (Lehrer müssen Respekts-Personen sein – der Chef ist es später ja auch.) Eltern, die die Autorität der Lehrer untergraben, handeln kontraproduktiv für ihre Kinder!

Zur Schule gehören außerdem klare Festlegungen und Grenzen. Jugendliche brauchen Grenzen - diese geben Sicherheit und Leitlinien. Im Berufsleben werden sie sich ständig innerhalb von knallharten "Grenzen" bewegen müssen. Im Rahmen dieser Grenzen sollte aber jeder Jugendliche möglichst optimal, auf seine Person abgestimmt gefördert werden. Dies erfordert einen hohen Aufwand und es werden mehr Betreuer und Lehrer als bisher benötigt. Es wäre meiner Meinung und Erfahrung nach wichtig, die Kinder so lange wie möglich gemeinsam lernen zu lassen und so spät wie möglich in die entsprechenden "Richtungen" (Studium, Lehre usw.) zu sortieren.

Von der Struktur hängt dagegen die Effektivität des Bildungssystems wohl nur in geringem Maße ab, die äußere Organisationsstruktur hat nur wenig Einfluss auf die Vermittlung von Bildung. Es wäre deshalb sinnvoll, eine bundesweite, zentrale Schulbehörde zu etablieren, mit einem zentralen Bildungsplan. Dies würde den Aufwand für das Bildungssystem minimieren. Wettbewerb im Bereich Bildung durch verschiedene Strukturen finde ich Unsinn - Strukturen können schlecht im Wettbewerb stehen, wenn sie höchstens mittelbar Einfluss auf das Ergebnis haben. Der Förderalismus sollte an dieser Stelle schnellstmöglich aufgegeben werden. Dies heißt ja nicht, dass es nicht unterschiedliche Schulformen, private Träger und ähnliches geben soll - aber unter einem bundesweiten Dach.

Worauf sollte die Schule hinarbeiten, welche grundlegenden Fähigkeiten werden denn in der Wirtschaft vor allem benötigt?
- umfangreiches Grundwissen und Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen, Faktenwissen)
- trainierte Fähigkeit zur optimalen, eigenen Weiterbildung und schnellem Lernen, selbstständige Erarbeitung von Spezialwissen (Technik des Lernens)
- selbstständiges Arbeiten, kreatives und logisches Denken
- Zuverlässigkeit, Disziplin und Frustrations-Toleranz im Sinne von Toleranz gegenüber Anforderungen (Aufstehen, Pünktlichkeit, Selbstmotivation, Auftrag des Chefs wird ausgeführt usw.)

Mal ganz profan formuliert: Was nützt es unseren Kindern und Jugendlichen, wenn wir ihnen erzählen, die Welt steht ihnen offen, alles wartet nur auf sie, jeder Mensch ist der "Größte", Anstrengung ist nicht nötig - und sie dann in eine reale Firma schicken? Ich brauche sicher nicht die Überforderung zu schildern, die auf einen Menschen da zukommt.

Ein Beispiel aus meiner Umgebung: Beim Studium müssen die Studenten über solide Grundlagen verfügen, im technischen Studium z.B. Mathematik und Physik. Sie müssen in der Lage sein, sich effektiv und wirksam Wissen anzueignen - die meisten "Abbrecher" lernen zwar sehr fleißig, aber auch uneffektiv und schaffen es deswegen nicht. Der Trend geht zunehmend zum sogenannten "Bulimie-Lernen", der Stoff wird auswendig gelernt, nicht verinnerlicht und nach der Prüfung vergessen. Es wird viel Zeit vergeudet für das Training von Fähigkeiten, die z.B. der Ingenieur nicht benötigt. Hier ist neben Wissen vor allem Kreativität, herleiten und schlussfolgern gefragt...

Zunehmend ist auch zu beobachten, dass gegenseitige Hilfe, z.B. in Lerngruppen, immer weniger stattfindet. Der heutige Student ist zunehmend "Einzelkämpfer", er will in allererster Linie "den Schein" - mit möglichst wenig Aufwand. Das "Team" spielt immer weniger eine Rolle. Im Betrieb ist aber das „Team“ Grundlage fast aller Abläufe.

Was ist nun neben der Vorbereitung auf die Realität des Arbeitslebens noch wichtig? Wir müssen den Jugendlichen - entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen - möglichst viel Bildung im Sinne Humboldts vermitteln. Nur auf diesem Weg werden wir erfolgreiche und gebildete Nachfolger haben.

Im Sinne der umfassenden Bildung sollte in der Schule und in sie unterstützenden Einrichtungen jedes Kind und jeder Jugendliche entsprechend seiner persönlichen Stärken gefördert werden. Der erste Schritt dazu ist das Erkennen dieser Stärken. Bildung ist mehr als Faktenwissen, es gehört dazu Motivation, Kreativität, musische Bildung, gesellschaftliche und soziale Kompetenz. Dieses Wunschbild ist natürlich eine "Idealvorstellung", die umfassend sicher nicht realisierbar ist, aber wir sollten sie anstreben. Nur durch gezielte Einbeziehung aller jungen Menschen in die Gesellschaft und die "Arbeitswelt" können wir uns als rohstoffarmes Land weiterhin behaupten. Die Arbeitskräfte sind unser Potential – im Idealfall persönlich engagiert, positiv hochmotiviert, umfassend gebildet, sozial integer, leistungsbereit und -fähig.

(Kommentar zum Zeit-Online-Artikel: http://community.zeit.de/user/frank1213/beitrag/2010/08/09/bildung-muss-weh-tun-mehr-davon?page=3#comment-822860)
12.8.10 18:32
 

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