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Mitschnitt einer Online-Diskussion

etwa vom 21.-22.10.2011

Soziale Stadt

ich:

Allgemeiner Aspekt –Soziale Stadt: Wenn die Rohstoffpreise weiter steigen (Peak Öl usw.) besteht die Gefahr, dass aufgrund der Stadt-/Landstruktur und der zu starken Ausrichtung auf den Individualverkehr die Armen, Alten und Kinder zuerst leiden. Man stelle sich vor, die Versorgung über Großmärkte bricht aufgrund von Treibstoffmangel zusammen - dies muss in die Stadtplanung einbezogen werden.

Diskutant (1):

<-- Ja, arm/alt sein heißt oft teurer leben zu müssen. Die beschnittene Mobilität und die Zentralisierung der Grundversorgung (Großmärkte) führt dazu, dass Rentner etc. den täglichen Bedarf dann häufiger als andere nur noch über das Angebot in Tankstellen decken können. Das kostet mehr. Stichwort "Soziale Stadt".

Soziales Klima

ich:

Zusammenfassung: Besonders zu "bekämpfen" ist die neoliberale Argumentation mit dem "homo oeconomicus" Kern dieser Aussage ist die Annahme, dass Menschen sich immer nur zu ihrem Vorteil verhalten, also nur Sachen machen, die ihnen nutzen. Die dazu passende Aussage ist: "Wenn jeder an sich selber denkt, dann ist an alle gedacht". Wer dies verinnerlicht, gelangt zu einer egoistischen Grundhaltung. Dieser Egoismus macht die Menschen berechenbar, steuerbar und verwirklicht das Prinzip "Teile und Herrsche". Gemeinsame (altruistische) Arbeit um einer Sache willen oder gar Solidarität aus grundsätzlichen Erwägungen heraus werden damit weitgehend verhindert.

Diskutant (2):

Das ist eine Verwechslung des Konzeptes "homo oeconomicus" (rational handelnder Mensch) mit Adam Smiths Konzept der "invisible hand" (alle handeln egoistisch und wie durch ein Wunder kommt ein für alle vorteilhaftes Ergebnis heraus). Homo oeconomicus ist ein reines Hilfskonstrukt der Wissenschaft, weil man mathematische Modelle nur schwer mit der Annahme emotional handelnder Individuen basteln kann. Jeder Volkswirt weiß aber, dass Menschen im realen Leben nicht immer rational sind (panisch, verliebt, hasserfüllt ...). Wird aber in Kauf genommen, weil Modelle nun mal nur eine Vereinfachung der Realität sein können.

Diskutant (3):

Sorry, ist mir als gemeinen VWL'er etwas zu krass formuliert... es geht nicht um's Handeln des Vorteils wegen, sondern der Mensch handelt (im Verständnis des homo oeconomicus) rein rational -> das kann AUCH Folgendes heißen: Ich helfe dir beim Umzug, weil ich dann ziemlich sicher sein kann, dass du mir dann bei meinem nächsten Umzug wahrscheinlich auch helfen wirst

ich:

Das heißt dann aber auch, ich helfe nur, wenn ich was davon habe. z.B. Warum soll ich aber dann weniger Auto fahren, wenn Südseeinseln untergehen? Habe ich doch nichts davon?

Diskutant (2)

Die Theorie sagt nur, der Mensch handelt immer als Nutzenmaximierer. Was Nutzen ist, das ist bei jedem Menschen individuell unterschiedlich. Für den einen ist es rein materiell, ein anderer maximiert seinen Nutzen mit der Rettung einer Südseeinsel, weil "ein gutes Gewissen haben" für ihn viel mehr Wert hat als alles andere. Zwei völlig unterschiedliche Menschen, aber beide Nutzenmaximierer.

ich:

Oder auch: warum soll ich mein Konsumverhalten ändern, wenn dann vielleicht weniger Menschen in Afrika sterben? Was habe ich davon? Was als Wirtschaftsparameter oder Überlegung gut sein kann, ist es im "Zwischenmenschlichen" und zur Lösung von globalen Problemen tauglich?

Diskutant (3)

Ich habe, was du gesagt hast, nicht grundsätzlich verurteilt!!! Ich finde nur, man sollte solche Sachen, mit denen vielleicht nicht jeder firm ist, nicht so krass darstellen... Ich geb dir ja prinzipiell Recht. Solidarität + Altruismus +1 Das Ding an der Sache ist ja, das theoretische Konstrukt des homo oeconomicus hat kein Gewissen... das hat der reale Mensch aber schon... zumindest (wie ich hoffe) genügend...

ich:

Wie kann man dann Dioxin ins Essen gelangen lassen, an einer Ölplattform die Sicherungseinrichtung weglassen, um jeden Preis zocken usw. Ich vermute, dass viele den homo oeconomicus als Ausrede und Handlungsanweisung betrachten - das Gewissen wird unterdrückt, wenn der Gewinn groß genug ist... Leider. 

Für die Lösung verschiedenster Probleme ist wohl oft Altruismus Voraussetzung. Wenn die Umweltverschmutzung weltweit zunimmt und Menschen bedroht, dann muss ICH; an meinem Standort meine Gewohnheiten verändern, eventuell verzichten - auch wenn mir selber das nichts direkt bringt, weil an meinem Standort die Probleme (noch) nicht zu merken sind. Eine egoistische Grundhaltung der Menschen macht die Lösung globaler Probleme unmöglich.

Diskutant (2)

Das Grundproblem: Der Mensch ist (leider) so wie er ist. Die Änderung eines theoretischen Konzeptes wird wohl kaum den realen Menschen ändern. Ich schreibe in die Lehrbücher, alle Menschen sind Altruisten und plötzlich leben wir in der schönsten aller Welten?? Das klingt alles zu sehr nach "Wir schaffen uns den neuen Menschen, der zur neuen Gesellschaft passt" (Umerziehungslager???)

ich:

Man kann selbst anhand der Gewerkschaften die (erfolgreiche) Wirkung des neoliberalen Gedankengutes im Alltag erkennen. Warum soll ich mich für die anderen stark machen? Warum soll ich streiken, wenn ich doch ausreichend verdiene? Warum soll ich mich für andere einsetzen?

Diskutant (3)

An diesem Punkt tut sich erneut das Problem der hierzulande praktizierten Leiharbeit auf -> Als Leiharbeitnehmer bin ich wahrscheinlich in keiner Gewerkschaft, was dazu führen kann, dass Leiharbeitnehmer in der Belegschaft als Streikbrecher angesehen werden, was soziale Konflikte in der Arbeitnehmerschaft eines Betriebes/ Unternehmens leider verschärft...

ich:

Nein, keine Umerziehungslager. Aber vernünftige Regeln, die dann auch einzuhalten sind. Egal ob im Finanzwesen, in der Wirtschaft, im Straßenverkehr oder im Privaten. Und dabei ist nicht der, der die Regeln zu seinem Vorteil geschickt umgeht, der "Gute", sondern der, der sie einhält.

Diskutant 8

Ergänzend: vorallem wenn gerade sehr große Firmen sich nicht an die Regeln halten und damit noch mehr Leid, als der einzelne Privatmensch verursachen, aber nicht proportional zu Rechenschaft gezogen werden, ist das besonders fatal und macht mich als Einzelmensch wütend.

ich:

Die Proklamation von Altruismus und anderen Werten als Geld und Konsum sind besser als die in letzter Zeit massiv erfolgte Proklamation der neoliberalen Ideologie. Wer dagegen alternative Werte vertritt, dessen Handeln wird derzeit als "Gutmenschentum" diffamiert. Es wäre aber sinnvoll, Aussagen wie: "Wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht" oder "Der Markt wird es richten" - die den Egoismus fördern und die persönliche Verantwortung auf einen ominösen "Markt" verlagern, als eindeutig falsch zu deklarieren.

Wenn das Geld als alleiniger Wertmaßstab fungiert, als höchstes Glück in einer endlichen Welt der immer extensivere Konsum propagiert wird und wenn von grenzenlosem Wachstum ausgegangen wird, das dann den Wohlstand schafft, dann wird eben das Gewissen nach und nach abgeschaltet. Darüber hinaus gelten in der heutigen Gesellschaft ja auch noch die als Verlierer, die ihrem Gewissen und "Gutmenschen-Werten" folgen. Wer gegen den Strom schwimmt und andere Wertvorstellungen hat, wird von der auf die neoliberalen Wertvorstellungen ausgerichteten Gesellschaft unter massiven Druck gesetzt.

In den letzten 20 Jahren lag die Meinungsführerschaft, nach der alles ausgerichtet wurde, bei der "neoliberalen Marktwirtschaft" mit ihrem Modell des "Nutzenmaximierers" ohne Emotionen und Gewissen, der eben leider nicht wissenschaftlich abstrakt, sondern als "Handlungsanweisung" begriffen und gepriesen wurde.

Es ist ja auch ein so griffiges Modell - der Nutzenmaximierer braucht ausschließlich im Sinne der Gewinnmaximierung zu handeln, mit allen nur möglichen Mitteln. Um die Balance, um die Verhinderung möglicher Schäden oder unerwünschte Folgen kümmert sich der Markt, der mit seiner "unsichtbaren Hand" für Ordnung sorgt und die gesunde Marktfunktion aufrecht erhält. Das geht ganz von selbst, ohne Regeln. Optimal ist, wenn der möglichst schlanke Staat ihn dabei nicht stört. Diese Denkweise haben alle Parteien im Bundestag, außer den Linken, mehr oder weniger verinnerlicht und umgesetzt.

Es war ein Irrtum - es geht nicht ohne Regeln und Werte. Und was hat uns dieser "Irrtum" gebracht? Eine Weltwirtschaft vor dem Abgrund, viele Billionen Werte verbrannt, Schäden in der Realwirtschaft, Probleme rund um die Welt (Umwelt, Ressourcen), Katastrophen, soziale Probleme in vielen Ländern, politische Instabilität! Seit zwei Jahren haben wir eine weltweite Dauerkrise mit der ständigen Bedrohung durch einen möglichen Totalabsturz der Weltwirtschaft. Das Marktversagen des "liberalisierten" Finanzmarktes spricht Bände über die Theorie der "unsichtbaren Hand", die alles regelt.

Hier ist aus einem in der Wissenschaft als Laborexperiment und Modellbetrachtung vielleicht noch tolerierbarem Konzept ein strukturelles Monster entstanden, das die Weltwirtschaft bedroht - der "unregulierte, globale Finanzmarkt". Und es ist noch viel schlimmer, einflussreiche, global agierende Banker agieren als Berater und Freunde der Regierungen, sie schreiben die Gesetze für die Finanzwirtschaft! "Der internationale Bankenverband IIF, geleitet von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, vertritt die Interessen der Branche auf der internationalen Ebene." (Link: http://www.zeit.de/2011/43/Finanzmarkt-Regeln/seite-5)

Hier ist etwas aus dem Ruder gelaufen, was schwer zu reparieren ist. Das Ganze erinnert an den "Zauberlehrling" von Johann Wolfgang Goethe. Die Regierungen, durchsetzt mit Lobbyisten, bekommen das Problem nicht mehr in den Griff. Nur das "Es reicht" der 99% kann Schlimmeres verhindern, weil niemand auf Dauer gegen das Volk regieren kann. Jetzt schon, und erst recht, wenn die akute Gefahr abgewendet sein sollte, ist dann ein Umdenken notwendig. Es müssen neue Strukturen geschaffen werden, einen unregulierten Markt darf es nicht geben. Dabei steht dann auch alles auf dem Prüfstand, das Geld- und Zinssystem, die Regulierung, das Lobbyistentum. Die Sozialsysteme müssen wieder in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben zu erfüllen und vieles andere mehr...

Dann braucht es eine Hinwendung zu basisdemokratischen Strukturen, da nur solche eine gefährliche Machtfülle und die Verquickung von Regierenden und mächtigen Lobbyisten verhindern kann. Die Schritte sind also: Regulierung Finanzsystem und Wirtschaft, globale Demokratisierung und weltweite Regeln. Ein späterer, folgerichtiger Schritt wird dann die auf einer basisdemokratischen Grundlage konzipierte Weltregierung sein (müssen).

Weltweit sind globale Probleme zu lösen, Beispiele sind Ressourcenverknappung (z.B. Peak Oil), Einrichtung einer ungefährlichen und nachhaltigen Energieversorgung, Sicherung der Nahrungsmittelerzeugung, Umgestaltung der Mobilität, Klimawandel. Diese Probleme können nur gelöst werden, wenn wir andere Werte entwickeln. Menschen sind, wenn sie geboren werden, keine gewissenlosen, egoistischen Superkonsumenten. Sie werden dazu erzogen - diese Erziehung kann man ändern. Wir müssen vom "Was nutzt mir" zum "Was nutzt uns allen" kommen. Wenn wir das nicht tun, werden uns die Probleme dazu zwingen. Aber es wird dann viele Opfer kosten, weil wir zur Lösung globaler Probleme Vorhaltezeit brauchen.

Die Geschichte zeigt, dass große Staaten-Gebilde zu Grunde gingen, weil das vorherrschende Wertesystem sich zum Negativen änderte und dies letztendlich die gesellschaftlichen Strukturen zerstörte. Ein Beispiel ist das römische Reich, das durch die Dekadenz der Herrschenden und Reichen geschwächt wurde und zerfiel. Vor einer ähnlichen Situation sehen wir uns heute wieder. Nur - wir können aus der Geschichte lernen und heute ist eine basisdemokratischer und globaler Zusammenschluss der Menschen möglich.

Ein weitere verheerende Denkweise ist die Meinung, das Vermögen eines Menschen spiegele zwei Sachen wieder: sein "Leistungsträgertum", seine "Tauglichkeit", seinen "Erfolg" - sozusagen seine "Überlegenheit" und es bildet andererseits seine Leistungen für die Gesellschaft ab. Die einfache Pflegerin, die für wenige Euro viele Menschen täglich pflegt und quasi "am Leben" erhält, wäre nach diesem Maßstab wenig erfolgreich und leistet nicht viel für die Gesellschaft? Wir brauchen bessere Maßstäbe...und wir kommen damit in eine Werte-Diskussion. Was genießt Anerkennung, welches Verhalten, welche Aktivität, was sind unsere "Werte"?

Ich drücke vielleicht manches etwas krass aus, aber nur so zeigt sich manchmal das Dahinterliegende...:-) Als wissenschaftlicher Faktor ist homo oeconomicus i.O. wenn er aber als Handlungs - Leitbild stilisiert wird, ist er meiner Meinung nach verheerend und dies hat auch die Krise weitgehend verursacht.

Diskutant (4)

mMn. verursacht aber trotzdem+1

Diskutant (5)

nicht mal als wissenschaftlicher Faktor ist die Vorstellung eines homo oeconomicus annehmbar, wenn man sich ein wenig kritische soziologische und psychologische Literatur zu Gemüte führt. Niemand handelt rein rational, der Großteil unserer Handlungen wird vor- bzw. unbewusst beeinflusst.

Diskutant(6)

und trotzdem lassen sich mit dem Modell des homo oeconomicus gesellschaftliche Makrophänomene erklären. Man darf dem Modell nur keine Funktionen zuweisen, die es nicht erfüllt und auch nicht erfüllen darf, zum Beispiel als Handlungs-Leitbild.

Diskutant(7) Ich möchte darauf hinweisen das Ökonomie keine empirische Erfahrungswissenschaft ist. Auch keine Geisteswissenschaft. It's voodo. Und der Mensch ist selbstverständlich nicht rational. Und der homo oeconomicus ist Gier krank. Was eine psychische Krankheit ist in meine Augen. Um es positiv zu formulieren: Gier ist heilbar.

ich:

Der Mensch ist ein "Rudeltier". Seit Anbeginn seiner Entwicklung spielte die Anerkennung der Gruppe und der "erreichte" Rang in der Struktur eine große Rolle. Dies ist Antrieb für viele Aktivitäten. Mit der Fokussierung auf monetären Reichtum als Maßstab des Erfolgs werden die eigentlichen "Belohnungen" wie gesellschaftliche Anerkennung usw. unterdrückt. Die Veränderung unseres "Wertesystems" hat den Weg für die Gier erst frei gemacht. Indem Anerkennung auf den erworbenen Reichtum projiziert wird, ist der Weg frei für die Anhäufung von immer mehr (Pseudo-)Anerkennung. Diskutant 7 hat recht, ab einer bestimmten Stufe ist das krankhaft. Bezeichnend ist auch, dass nicht der Weg, wie der Reichtum erzielt wurde (moralisch oder nicht, Betrug, Unehrlichkeit, Leistung) eine Rolle spielt, sondern nur der Reichtum an sich.


Diskusions-PAD
(Punkt 17 Egoismus und Neoliberalismus)
24.10.11 18:26




Spekulationen mit Lebensmitteln sind normal?

Nein - weil es nicht normal sein kann,

dass Müttern die Kinder auf den Armen sterben, für "größtmöglichen Gewinn bei minimalem Risiko". Wie Menschenverachtend ist ein System, das Teile der Menscheit verhungern lässt für "größtmöglichen Gewinn"?

Kein Wunder, dass weltweit die Leute aufstehen und aufbegehren. Es ist nicht menschlich, alles dem Gewinn, der Gier und dem damit verbundenen "größtmöglichen Gewinn bei minimalem Risiko" unterzuordnen.

Dass ist nicht die Freiheit, die wir wollten und wollen: mit unseren Handlungen andere Menschen in den Hunger und letzendlich Tod treiben zu können!

Deswegen sagen Millionen Menschen rund um die Welt, sie wollen kein "marktausgerichteten Gemeinwesen" - sondern ein am "Menschen ausgerichtetes Gemeinwesen"!

Kommentar zu einem Artikel in Zeit-Online
19.10.11 22:39


Wohlstand ist,

wenn alle Menschen dieser Erde ausreichend zu Essen haben!

Solange wir die Hälfte der erzeugten Nahrungsmittel wegwerfen, während in anderen Teilen der Welt Kinder verhungern, ist das kein Wohlstand, sondern einfach nur krank!

Solange wir mit Lebensmitteln spekulieren und unsere Gier und unseren Egoismus befriedigen, während Menschen - auch deshalb - hungern, sollten wir das nicht Wohlstand nennen!

Kommentar zur Artikel in Zeit-Online
19.10.11 22:36


Banken retten? Die Kinder und Enkel,

die uns geboren werden, kommen jedes mit einem gewaltigen Schuldenrucksack zur Welt - und sie haben nichts falsch gemacht oder über ihre Verhältnisse gelebt!

Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich rasant, in vielen Ländern dieser Erde. Auch in Deutschland. Alle etablierten Parteien im Bundestag - außer den Linken - waren daran beteiligt.

Das Marktversagen der Finanzwirtschaft bringt die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes. Leidtragende sind die Bürger - die 99% - und die Realwirtschaft.

Aber diese Konstellation - Realwirtschaft und Bürger gegen eine außer Rand und Band geratene, von den etablierten Parteien unterstützte Finanzwirtschaft - könnte den weltweiten, friedlichen Protesten eine hohe Chance eröffnen, Veränderungen durchzusetzen...

Pro-Europäer sein heißt, die Bankenrettung auf Kosten der Menschen in Europa abzulehen! Wer zockt muß dafür einstehen!

Europa - das muss heißen, im Mittelpunkt steht der Mensch und die basisdemokratische Gestaltung unseres Kontinents! Nicht die Herrschaft der Finanz"elite"!

Am 15.Oktober gibt es in Deutschland viele Aktionen:

Aktionen am Sonnabend

Es ist kein deutsches, kein europäisches - es ist ein globales Problem. Etwas "soziale Retusche" wird da nicht mehr helfen. Wie ernst es ist, kann man hier in New York sehen (Online-CAM von avaaz):

Online-Cam avaaz

Es sind dort alle Schichten und Altersklassen rund um die Wall Street unterwegs - die 99% - ...


Kommentar zu Zeit-Artikel
13.10.11 19:12


OWS, Piraten und Aktionen

Ist die "OWS"-Bewegung (Occupy-Wall-Street) nicht Ausdruck einer zunehmenden Suche nach mehr Gerechtigkeit - die weltweit immer mehr Menschen aktiviert?

Viele waren in Deutschland erstaunt, dass die Piratenpartei in Berlin einen solchen Zuwachs hatte. Ist dies aber nicht ein Indiz, dass auch bei uns Veränderungen anstehen?

Könnte der Wahlerfolg der "Piraten" nicht aus der - teiweise unbewußten Suche - nach einer "europäischen", "demokratischen" Stimme erwachsen?

1. Punkt:
Die Piraten gibt es in ganz Europa. Sie sind als europäische Partei entstanden, für die nationale Grenzen nie eine Rolle gespielt haben. Mittlerweile gibt es sie sogar in vielen Ländern der Welt. Das liegt auch an den wachsenden technischen Möglichkeiten, vor allem aber am natürlichen "Zusammenwachsen" der europäischen Menschen - besonders der Jugendlichen, die es nicht anders kennen.

Sie sind derzeit die "europäische" Partei in Deutschland, die Parteien im Bundestag sind nationale "Gebilde" (am wenigsten vielleicht noch die Grünen).

Wo ist z.B. die europäische Sozialdemokratie? Welcher Partei im Bundestag glaubt man die Aussage "Wir sind eine europäische Partei"?

2. Punkt:
Die Piraten fordern mehr direkte Demokratie und Transparenz, d.h. Volksbefragungen und Offenlegung von Entscheidungsprozessen. Auch da sind sie die einzige Partei, die das derzeit so fordert.

Die etablierten Parteien - außer vielleicht der Linken - werden "von unten" zunehmend als Erfüllungsgehilfen einer wild gewordenen Finanzwirtschaft wahrgenommen. Deshalb hat die Sehnsucht nach mehr Demokratie die Piratenpartei dramatisch gestärkt.

Wer die Piraten nun überheblich als "kindische Jungendliche" abtut und nicht versteht, dass hinter ihrem Erfolg die Sehnsucht nach mehr Demokratie steckt, der unterschätzt die Kraft, die aus dieser Sehnsucht erwächst...

Genauso ist das mit der "OWS"-bewegung - wer von uns hat den Überblick und die Informationen, vorauszusagen, was wirklich daraus entsteht?

Aber als Europäer können wir uns anschließen und die "OWS" unterstützen. Auf der Avaaz- Seite "Welt gegen Wall Street" kann man eine Petition unterschreiben:

http://avaaz.org/de/the_world_vs_wall_st/?fpla

Avaaz verspricht:

"...wir werden einen riesengroßen Live-Zähler für alle Unterzeichner im Herzen der Besetzung in New York errichten..."

Während der Demonstartion gestern abend gab es eine Online-Kamera, welche die vor Ort aufgestellte Tafel mit mit der Unterstützerzahl gezeigt hat. Wie es aussah, wurde sie stark beachtet...

Sollte der erste Schritt nicht sein, dass wir weltweit kommunizieren, aufeinander achten und uns unterstützen?

Die "OWS"-Bewegung fordert die Regulierung des Finanzmarktes. Dies ist eine der dringlichsten Aufgaben, die umgesetzt werden müssen. Hier kann man sich bei unserem Wirschaftsminister Herrn Rösler melden und einfordern, "dass endlich gelieferet wird":

www.campact.de/campact/home


Auch bei der sogenannten "Griechenland-Rettung", die eigentlich eine Bankenrettung ist, kann man Einspruch erheben:

www.avaaz.org/de/eu_people_vs_banks/?slideshow

Sicher kommt jetzt wieder der Einwand, Petitionen nutzen nichts. Aber wenigstens hat man seine Stimme erhoben und man kann sehen, wie viele Menschen auf der Seite der Petitionen stehen...

Aber man kann ja auch selbst aktiv werden:

titanpad.com/15odeutschland

Kommentar zu Artikel in "Der Freitag"
10.10.11 01:09


Auch in Deutschland...

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Zitat von marc0815 Beitrag anzeigen
wenn die Bewegung nach Frankfurt und Berlin kommt bin ich dabei.
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Hallo marc0815, am Freitag ist es soweit:

Demos am Freitag, den 15. Oktober

Es ist beeindruckend, in wie vielen Städten etwas angemeldet ist.

Kommentar zu Artikel in Spiegel Online
10.10.11 01:03


Alle Demonstrationen sind wichtig...

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Zitat von Argosch Beitrag anzeigen
... nicht beeindruckend! Weil angemeldet!

... Die Montagsdemos im Osten. (Mauerfall)

Glauben Sie die waren angemeldet?

...

MfG Argosch
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Hallo Argosch, zunächst will ich mich verbessern. Ich meinte eigentlich nicht "angemeldet" - sondern angekündigt. Und ja, Sie haben Recht. Die Demos sind (hoffentlich) nicht gefährlich. Aber trotzdem sollten wir demonstrieren. Ich will meine Gedanken dazu schreiben:

Ich war bei der ersten Montagsdemo hier in Leipzig dabei. Mittags waren wir, ein Kollege und ich, noch in der Stadt unterwegs und hatten die Polizei mit Hunden und Kalaschnikows gesehen. Auf Arbeit erfuhren wir, dass die Frau eines Kollegen, die Ärztin war, ins Krankenhaus beordert worden war und man sich dort auf Schußverletzungen vorbereitete...

Alle hatten den "Platz des himmlischen Friedens" im Hinterkopf... Wir haben uns mehrere Taschentücher in die Gesäßtaschen gesteckt, gegen die befürchteten Schläge...

Und dann sind wir abends um den Ring marschiert, mit uns ungefähr achtzigtausend andere. Warum? Weil die Situation so war, dass hundertausende, ohne Führung von "oben", ohne Absprache gesagt haben "Es reicht..." - und das um jeden Preis.

So eine Situation wie damals haben wir in Deutschland (noch) nicht. Aber sollen wir auf Proteste verzichten, bloß weil sie nicht so dramatisch daher kommen, wie damals? Ich möchte diese Dramatik auch nicht unbedingt wiederhaben, wenn es anders geht - weil sie viele Menschen das Leben hätte kosten können! Wenn damals nur einer geschossen hätte, aus Angst... Die Polizisten an der Sperre gegenüber der Feuerwache, kurz vor der runden Ecke, standen zigtausenden, auf sie zu strömenden Menschen gegenüber und sollten sie aufhalten - wenn da nur einer durchgedreht wäre! Auf dem Dach der runden Ecke waren Maschinengewehre installiert...

Wir haben Glück gehabt, sonst wäre die Geschichte anders geschrieben worden. Und so gesehen war das damals wirklich ein Wunder.

Wenn ich an Stuttgart denke, kann ich nicht an die beliebige Abrufbarkeit von Wundern glauben...

Wir wollen mehr Bürgermitsprache. Die Piraten-Partei boomt, weil sie Tranzparenz und Bürgerbeteiligung fordert. Dann sollten wir aber unsere Meinung auch kund tun, wo immer es geht. Auch wenn es mehr einem friedlichen Sonntagsspaziergang ähnelt. Wie sich weltweit zeigt, sind wir viele. Die einfachen Menschen globalisieren sich und bringen ihre Meinung zum Ausdruck - es geht um friedliche und nachhaltige Lösungen. Dabei wird eine unheimliche Kraft frei...

Kommentar zu Artikel in Spiegel Online
10.10.11 00:59


Friedliche Demonstrationen bewegen etwas...

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Zitat von Argosch Beitrag anzeigen
Sie waren vermutlich nicht dabei... Sie erzählen nur Erzähltes!
MfG Argosch
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Hallo Argosch, schade, dass Sie mir nicht glauben. So will ich die Situation noch einmal schildern, als sich entschieden hat, ob es zu einem Blutbad kommt...

Gestartet an der Nikolai-Kirche, marschieren wir um den Ring, am von Polizisten komplett abgesperrten Hauptbahnhof vorbei. Wir waren etwa hundert Meter hinter der Spitze des Zuges.

Die Stadt hatte die meisten Straßenlaternen ausschalten lassen, es war duster und kalt - es war ja schon der 9.Oktober. Die Menschen riefen in Sprechchören vor allem zwei Losungen: "Wir sind das Volk" und "Keine Gewalt". Die ganze Stadt war erfüllt von diesen machtvollen Rufen, während wir schon an der "Blechbüchse" waren, liefen die letzten an der Nikolaikirche los...

Dann bogen wir an der "Blechbüchse" unter der (nicht mehr vorhandenen) Fußgängerbrücke nach links ab, in die Richtung der Stasi, der "Runden Ecke". Auf Höhe der Feuerwache standen vielleicht 30 Polizisten, mit Kalaschnikows ausgerüstet, hinter mobilen, halbhohen Absperrzäunen, die sie quer über die Straße gestellt hatten. Die Demonstranten sollten offensichtlich nicht bis zur Stasi-Zentrale gelangen.

Die Spitze des Zuges, ungefähr 100m vor uns, hielt vor den Gittern an. Es kam nun der anschwellende Ruf von vorn: "Umdrehen, umdrehen". Gleichtzeitig strömten aber die Massen weiter von hinten nach, da sich gar nicht so schnell mitbekamen, was da vorn los war. Es wurde eng..

Wenn jetzt ein Demonstrant falsch reagiert hätte oder ein Polizist, zigtausenden Demonstranten gegenüberstehend, die Nerven verloren hätte, dann wäre es zu einem Blutbad mit anschließendem Bürgerkrieg gekommen...

Doch wie durch ein Wunder begannen die Polizisten plötzlich die Gitter beiseite zu räumen und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. In einer Doku im Fernsehen habe ich gesehen, dass kein Befehl von Berlin vorlag und der örtliche Kommandant eigenmächtig entschieden hatte...

Vor der Stasizentrale kam es dann zu einer friedlichen Kundgebung, hier war dann auch der Ruf: "Stasi in die Volkswirtschaft" zu hören - aber es blieb friedlich.

An diesem Abend war für viele das Gefühl entstanden, dass die Regierung schwächer als das Volk ist. Mit dem Öffnen der Zäune hatten die Bürger gewonnen - aber was wäre denn die Alternative gewesen?

Was hätte denn ein Blutbad gebracht? Viele Tote, Leid und Bürgerkrieg. Die Entwicklung wäre verzögert, aber nicht
aufgehalten worden.

Die Friedensbewegung und all die Aktivitäten, für die die Aktivisten teilweise einen hohen Preis gezahlt haben, haben diesen Abend vorbereitet. Sie waren die Aktivisten, sie haben den Boden bereitet für das "Es reicht...", das besonders durch die rabiate Vorgehensweise am 7. Oktober gegen die Demonstranten in Berlin und anderen Städten beförderet wurde. In Leipzig wurden an diesem Tag auch Demonstranten festgenommen und wie Vieh auf dem Gelände der "Agra" (damals Landwirtschaftsausstellung) in Ställe gesperrt.

Wahr ist aber - man hatte sich auf einige tausend Demonstranten eingestellt, plötzlich marschierten aber 80'000 um den Ring... "Wir sind das Volk" "Keine Gewalt".

Die Ereignisse haben gezeigt, dass keiner am Volk vorbeikommt, wenn es sich einig ist, wenn die Situation da ist. Das Fazit sollte meiner Meinung nach sein, sich friedlich für eine Sache einzusetzen, bis der Tag kommt, an dem die Mehrheit des Volkes sagt: Es reicht!"

Kommentar zu Artikel in Spiegel Online
10.10.11 00:56


Viele waren erstaunt, dass die Piratenpartei in Berlin

einen solchen Zuwachs hatte. Ist dies aber nicht ein Indiz, dass Veränderungen anstehen?

Könnte der Wahlerfolg der "Piraten" nicht aus der - teiweise unbewußten Suche - nach einer "europäischen", "demokratischen" Stimme erwachsen?

1. Punkt:
Die Piraten gibt es in ganz Europa. Sie sind als europäische Partei entstanden, für die nationale Grenzen nie eine Rolle gespielt haben. Das liegt auch an den wachsenden tech. Möglichkeiten, vor allem aber am natürlichen "Zusammenwachsen" der europ. Menschen - besonders der Jugendlichen, die es nicht anders kennen.

Sie sind derzeit die "europäische" Partei in D, die Parteien im Bundestag sind nationale "Gebilde" (am wenigsten vielleicht noch die Grünen).

Wo ist z.B. die europäische Sozialdemokratie? Welcher Partei im Bundestag glaubt man die Aussage "Wir sind eine europäische Partei"?

2. Punkt:
Die Piraten fordern mehr direkte Demokratie und Transparenz, d.h. Volksbefragungen und Offenlegung von Entscheidungsprozessen. Auch da sind sie die einzige Partei, die das derzeit so fordert.

Die etablierten Parteien werden "von unten" zunehmend als Erfüllungsgehilfen einer wild gewordenen Finanzwirtschaft wahrgenommen. Deshalb hat die Sehnsucht nach mehr Demokratie die Piratenpartei dramatisch gestärkt.

Wer die Piraten nun überheblich als "kindische Jungendliche" abtut und nicht versteht, dass hinter ihrem Erfolg die Sehnsucht nach mehr Demokratie steckt, der unterschätzt die Kraft, die aus dieser Sehnsucht erwächst...

Kommentar zu Artikel in Zeit-Online

Kommentar zu weiterem Artikel in Zeit-Online
2.10.11 12:55


Vielleicht liegt die Ursache für das FTP-Desaster tiefer?

Es sind vielleicht nicht nur die Vertreter der Partei und die letzten Aktionen, die der FDP so zu schaffen machen. Vielleicht ist auch die zunehmende Abkehr der Menschen - angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre - von der Doktrin des unregulierten, "freien" Marktes dafür verantwortlich?! (Stichwort Neoliberalismus)

Je stärker die Angriffe auf die Länder in unserem Europa werden und je teurer die Rettung von Banken kommt, um so weniger lässt sich das Märchen vom Markt, der alles regelt, aufrecht erhalten. Die unsichtbare Hand, die angeblich alles ordnet, greift uns einfachen Bürgern ständig in die Tasche...

Und wo ist die Reflektion eines der FDP-Vertreter zu diesen Fakten? Angesichts des Marktversagens gab es keine sichtbare Nachdenklichkeit oder Diskussion der bisher vertretenen Wirtschaftsideologie! Deshalb wird der FDP auch keine Wirtschaftskompetenz mehr zugesprochen! Die Wirklichkeit weicht einfach zu sehr von der immer noch verkündeten FDP-Doktrin ab...

Solange die Realität in einer Partei nicht wahrgenommen, reflektiert und verarbeitet wird, solange ist diese Partei nicht wählbar. Da helfen auch "populistische" Kunststückchen nicht weiter.

Die Piraten, die in ihrem Programm unter anderem "Volksentscheide" fordern, kommen dagegen aus dem Stand auf über acht Prozent, wobei auch viele "Nichtwähler" reaktiviert wurden...

Das sollte der FDP - und nicht nur ihr - zu denken geben!

Kommentar zu Artikel in Zeit-Online
19.9.11 11:52


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